
Meryl Streep
TELE 5: Was hat Sie daran gereizt, Margaret Thatcher zu spielen?
Meryl Streep: Ich wollte einen Film über die Sterblichkeit machen, darüber das Leben loszulassen. Ich habe in letzter Zeit beide Eltern verloren und deswegen interessiert mich das Thema Tod so sehr. Der Film ist ein ganz und gar subjektiver Blick auf Thatcher, auf ihr Ende, das Verschwinden ihrer Macht. Alte Frauen werden in vielen Kulturen missachtet und kaum respektiert, das finde ich traurig.
Hat es Sie nervös gemacht, eine Britin zu spielen?
Ja, ich war sehr nervös, aber Phyllida Lloyd, die Regisseurin, hat zu mir gesagt: ‚Du passt perfekt,
weil du eine Außenseiterin bist, genau wie Margret Thatcher‘. Sie war immer irgendwo, wo sie nicht hingehörte oder wo sie nicht gewollt war. Als ich zum ersten Mal in den Probenraum kam, waren da 45 der wundervollsten britischen Schauspieler versammelt. Ich habe mich noch nie so sehr als Ami aus New Jersey gefühlt wie in diesem Moment. Aber sie waren sehr großzügig zu mir. Ich kann nur an mich selber glauben, wenn ich in den Augen des Kollegen sehe, dass er mir abnimmt, was ich gerade spiele. Und sie haben mir diesen Glauben geschenkt.
Wie haben Sie sich gefühlt mit den ganzen geschminkten Falten im Gesicht?
Als ich zehn Jahre alt war und meine Stirn gerunzelt habe, sah ich da genau elf Falten. Heute sind es eigentlich genauso viel. Ich habe schon damals eine alte Frau in mir getragen und bin heute immer noch ein junges Mädchen. Als ich ‚Kramer gegen Kramer‘ gemacht habe, war ich noch keine Mutter, aber trotzdem war ich schon die Mutter, die ich mal sein würde. Man ist, wer man ist, man muss es nur herausfinden. Ich hatte immer schon eine Schwäche für alte Damen, weil ich meine Großmütter sehr geliebt habe.
Was hat Sie bei Ihrer Recherche über Thatcher überrascht?
Vieles, um Beispiel, dass sie keinen Koch hatte. Sie regierte elfeinhalb Jahre ein ganzes Land, aber sie hatte keinen Koch. Ich habe einen Koch. Beim Dreh zu ‚Sophies Entscheidung‘, habe ich aufgehört, selber abends für die Familie zu kochen und das ist lange her. Margaret Thatcher hat oft vergessen zu essen - etwas das mir nie passiert ist.
Sind Sie in Ihrem Privatleben auch manchmal eine eiserne Lady?
Zuhause bin ich keine eiserne Lady, sondern eher die Lady mit dem Bügeleisen. Aber in meiner Arbeit bin ich sehr leidenschaftlich und da möchte ich auch richtig verstanden werden. Wenn ich eine Rolle spiele, dann verteidige ich die Figur wie mein eigenes Leben. Ich fühle mich dann, als wäre ich es selbst.
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