
Angelina Jolie
TELE 5: Sie haben jetzt Ihren ersten Film gedreht.
Angelina Jolie: Ich habe nie vorgehabt, Regie zu führen. Als ich das Drehbuch geschrieben habe, sollte es eigentlich nur eine private Meditation werden, etwas, das niemand außer mir je zu Gesicht bekommt. Aber plötzlich wurde alles sehr real und Menschen von verschiedenen Seiten des Konflikts kamen zusammen, um mitzumachen. Von diesem Zeitpunkt fühlte ich, wie wichtig die Geschichte ist und dass ich dranbleiben muss.
Wer hat Sie inspiriert?
Clint Eastwood. In einem Film von ihm mitzuspielen, war eine großartige Erfahrung. Er hat mir viel beigebracht. An Clints Set ist man aufgehoben wie in
einer Familie. Er arbeitet nur mit ganz besonderen Leuten zusammen. Man muss Talent haben, aber vor allem auch ein netter Mensch sein. Da gibt es keine Egokämpfe, jeder respektiert den anderen. Clint arbeitet außerdem ökonomisch, was ich auch musste, weil ich für meinen Film nur wenig Geld hatte. Michael Winterbottom hat mich auch sehr inspiriert. Die Art, wie er versucht, die Dinge möglichst real werden zu lassen. Und wie er darauf achtet, dass der Schauspieler sich vor der Kamera wohl fühlt.
Sie haben so viele Extreme erlebt, den Ruhm, die Blitzlichter, aber auch die dunkle Seite des Lebens.
Ich versuche einfach, ein guter Mensch zu sein. Der Glamour-Aspekt ist natürlich da, aber Hollywood ist nicht mein Leben. Ich bilde mich weiter und ich will auch meinen Kindern etwas von der Welt zeigen. Wenn ich morgens aufwache, dann bin ich vor allem und hauptsächlich eine Mama. Ich liebe es, Schauspielerin zu sein und weiß das Gute daran zu schätzen. Aber es ist nur ein kleiner Teil von dem, was in der Welt passiert und diese Perspektive habe ich nie aus den Augen verloren.
Wie gehen Sie mit dem Schmerz und dem Leid um, das Ihnen begegnet?
Es passiert mir schon, dass ich deswegen weine oder nachts nicht schlafen kann. Umso dankbarer bin ich, wenn ich helfen kann, das Leid zu lindern. Indem ich in Krisen-Regionen fahre und dort auf Missstände aufmerksam mache. Oder vielleicht auch mit meinem Film. Wenn ich gar nichts tun könnte, das wäre zu hart für mich.
Nachdem Sie sich so intensiv mit Kriegsopfern auseinandergesetzt haben, hat es Ihren Blick auf Ihre eigene Familie geändert?
Als ich das erste Mal in einem Kriegsgebiet war, hat mich das für immer verändert. Seitdem war ich nie wieder selbstzerstörerisch. Und es ist für mich keine Sekunde lang selbstverständlich, dass ich weiß, wo meine Kinder sind. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich vor Jahren in einer Konfliktzone war und seitdem weiß, wie unendlich glücklich ich mich schätzen kann, wenn es meiner Familie gutgeht.
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